WIN

Was ist WIN?

Die Wärmepumpen-Initative-Niedersachsen (WIN) - Netzwerk für effiziente und erneuerbare Wärmeversorgung wurde Einrichtungen des  Landes Niedersachsen im Jahr 2021 gegründet, um die  Verbreitung effizient betriebener Wärmepumpenanlagen als Schlüsseltechnologie der Wärmewende in Niedersachsen zu unterstützen. Begründung für den Fokus auf das Niedersachsen, ist ein hoher Nachholbedarf gegenüber anderen Bundesländern.

Motivation

Die Dekarbonisierung des Wärmesektors ist essentiell für das Erreichen der Klimaschutzziele. Die klimafreundliche Wärmeversorgung (Stichwort: Wärmewende) rückt daher zunehmend in den Fokus. So soll im Ergebnis der von der Bundesregierung angekündigten Wärmestrategie der erneuerbare Anteil an Wärme von heute 15 % auf 50 % bis 2030 schnell und nachhaltig steigen. Ab 2025 soll dafür jede neu eingebaute Heizung auf der Basis von mindestens 65 % erneuerbaren Energien betrieben werden (vgl. §71 GEG). Im Niedersächsischen Klimagesetz sind teils ebenfalls ambitionierte Ziele festgeschrieben. Insbesondere die Reduktion der Treibhausgasemissionen um 75% bis 2030 und um 100% bis 2040 (vgl. §3 NKlimaG) verlangen neben dem Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung weitere Anstrengungen im Wärmesektor.

Die Schlüsseltechnologie zur Erreichung einer klimaneutralen Wärmeversorgung ist die Wärmepumpe. Diese sehr effiziente Technologie erzeugt in typischen Anwendungsfällen drei bis vier Kilowattstunden Wärme aus einer Kilowattstunde elektrischer Energie und zwei bis drei Kilowattstunden Umweltwärme. Die Umweltwärme wird lokal aus einem nahezu unbegrenzten Angebot aus Luft, Wasser oder Erdreich entnommen. Entsprechend verringern Wärmepumpen die Abhängigkeit von Import und Transport von Energieträgern wesentlich. Emissionen verursacht eine Wärmepumpenheizung nur indirekt durch die bezogene elektrische Energie. Mit fortschreitender Dekarbonisierung der Stromerzeugung (Anteil erneuerbarer Erzeugung im Jahr 2024: 59,4%, Statistisches Bundesamt) werden Wärmepumpen sukzessive immer besser.

Der Ersatz eines Gas-Brennwertkessels durch eine Wärmepumpe ermöglichte mit dem deutschen Strommix im Jahr 2021 ca. 50% Reduktion der CO2-Emissionen. Mit dem niedersächsischen Strommix, der einen sehr viel höheren Anteil an erneuerbarem Strom enthält, betrug die CO2-Einsparung sogar bereits über 75 %.

In Niedersachsen wurde im Jahr 2021 noch zu 90% mit Wärmeerzeugern, die mit fossilen Brennstoffen verbrennen, geheizt. Zur Erreichung der anvisierten Klimaziele auf dem wirtschaftlichsten Weg rechnen Energieszenarien für Deutschland mit einer notwendigen, sehr raschen Steigerung der Wärmepumpenanzahl von ca. 1 Mio. auf bis zu 8 Mio. in 2030 und 16 Mio. in 2045.

Die angestrebte Transformation der Wärmeversorgung mit der Wärmepumpe Schlüsseltechnologie stellt vor allem in Bezug auf den zeitlichen Horizont eine enorme Herausforderung dar. Niedersachsen weist dabei eine besondere Situation auf: Im Bundesdurchschnitt verläuft hier die Markdurchdringung der Wärmepumpe sehr schleppend (s. Abbildung 1). Als starker Erzeuger von Wind- und Sonnenenergiestrom hat aber das Land das Potential, durch eine beschleunigte Verbreitung von Wärmepumpensystemen Vorreiter im Bereich der klimaneutralen Wärme zu werden. Hinzu kommen günstige Bedingungen bei den Wärmequellen: Moderate Wintertemperaturen und gute geologische Bedingungen.
 

Abbildung 1: Wärmepumpenanteil in Neubauten in Niedersachsen im Vergleich zum
Bundesdurchschnitt.
Datenquelle: Landesamt für Statistik Nds, Darstellung: KEAN

Die erfolgreiche Transformation erfordert die Überwindung vorhandener technischen sowie nicht-technischen Hemmnisse. Dafür braucht es die transdisziplinäre und sehr effiziente Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure. Zurzeit existieren auf Bundes- und Landesebene verschiedene Allianzen und Netzwerke sowohl rund um die allgemeinen Themen Klimawandel, Nachhaltigkeit und Energie als auch zu spezifischen Themen wie Biomasse, Photovoltaik und Wasserstoff. Ein Netzwerk für das Schlüsselthema Wärmepumpe, das sich zielorientiert und mit einem ganzheitlichen Ansatz um die verschiedenen Aspekte kümmert, fehlt und ist dringend notwendig.

Die Wärmepumpen-Initative-Niedersachsen

Um diese Lücke zu schließen, wurde im Mai 2021, aufbauend auf den umfangreichen Erfahrungen verschiedener Landeseinrichtungen, namentlich dem Institut für Solarenergieforschung Hameln (ISFH), der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN), dem Energieforschungszentrum Niedersachsen (EFZN), dem Institut für Thermodynamik (IfT) der Leibniz Universität Hannover (LUH) und dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), die Wärmepumpen-Initiative Niedersachsen (WIN) gegründet.
Zentrales Ziel von WIN ist, die erforderliche Marktdurchdringung von effizient betriebenen Wärmepumpenanlagen als unverzichtbaren Baustein der Energiewende in Niedersachsen durch Forschung und Entwicklung sowie durch Bildung und Aufklärung zu beschleunigen. Bezeichnend für die Initiative ist die gesamtgesellschaftliche Sicht sowie die inter- und transdisziplinäre Herangehensweise. Dazu gehören:

  • Neue Methoden und Materialien für Aus- und Weiterbildung, Beratung und Planung, insbesondere zum Wärmepumpeneinsatz in Bestandsgebäuden.
  • Akteurspezifischer Wissenstransfer im Rahmen von Workshops und Fachtagungen sowie durch die Beratung von öffentlichen Einrichtungen, Verbänden, Experten und Anwender.
  • Identifikation und Bearbeitung anwendungsorientierter Forschungfragen, die erfolgreiche Umsetzungen in der Fläche unterstützen. 

WIN ist als schlanke und dynamische Struktur konzipiert, mit einem Lenkungskreis bestehend aus den genannten Gründungsmitgliedern und Mitgliedern aus verschiedenen Branchen.